Patrick Main­ka: Daheim­blei­ben wie die Pro­fis

Wie gehen Pro­fi­fuß­bal­ler und der Betreu­er­stab mit der momen­tan herr­schen­den Extrem­si­tua­ti­on um? Wie füh­len sie sich dabei und wie sieht ihr All­tag in der „Qua­ran­tä­ne“ aus? Die­se und noch mehr Fra­gen haben wir eini­gen unse­rer Fuß­bal­ler und Betreu­er gestellt…und Ant­wor­ten bekom­men.

Patrick Main­ka vom aktu­el­len „Über­ra­schungs­team“ der 2. Bun­des­li­ga (1. FC Hei­den­heim)

Patrick, wie geht’s Dir in die­ser durch­aus schwie­ri­gen Zeit?

Es geht mir soweit sehr gut. Natür­lich gibt es bes­se­re Situa­tio­nen, als fast den gan­zen Tag in den eige­nen vier Wän­den zu ver­brin­gen, aber zum Sport machen darf man noch raus und so bewegt man sich dann auch an der fri­schen Luft, was gut­tut. Ansons­ten ver­su­che ich die Situa­ti­on posi­tiv zu sehen und ver­su­che mein Fern­stu­di­um vor­an­zu­trei­ben.

Wie hast Du vom „Spiel-und Trai­nings­ver­bot“ erfah­ren?

Wir waren schon im Bus auf dem Weg zu unse­rem Aus­wärts­spiel in Bochum und muss­ten dann doch wie­der umdre­hen. Die Tage dar­auf sind wir als Mann­schaft und Ver­ein immer auf die offi­zi­el­len Vor­ga­ben ange­wie­sen gewe­sen, die Schritt für Schritt stren­ger wur­den. Wir hat­ten aber nach der Absa­ge sowie­so zügig ent­schie­den das Mann­schafts­trai­ning ein­zu­stel­len, um sofort die Anste­ckungs­ge­fahr zu mini­mie­ren. Seit­her trai­niert jeder indi­vi­du­ell nach Trai­nings­plä­nen.

Wie war Dei­ne ers­te Reak­ti­on dar­auf?

Es war mir sofort klar, dass die Gesund­heit von jedem ein­zel­nen im Vor­der­grund ste­hen muss, von daher war die Ein­stel­lung des Mann­schafts­trai­nings fol­ge­rich­tig. Trotz­dem ist es im ers­ten Moment eine eher unwirk­li­che Situa­ti­on, weil man ja auf so eine Kri­se nicht vor­be­rei­tet ist.

Wie kann man sich Dein Leben aktu­ell vor­stel­len? Wie läuft die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Trai­ner­team ab?

Aktu­ell hal­te ich mich nur zu Hau­se auf, aber kann zum Trai­nie­ren nach drau­ßen und da den Trai­nings­plan aus­füh­ren, der uns mit­ge­ge­ben wur­de. Man kom­mu­ni­ziert momen­tan dann nur über das Tele­fon, sei es ein kur­zer Anruf oder eine kur­ze Nach­richt.

Wie ist der Kon­takt zu Dei­nen Mit­spie­lern?

Zu den Mit­spie­lern ver­hält es sich ähn­lich. Man schickt sich Nach­rich­ten, tele­fo­niert mal oder auch mal ein Video­an­ruf, damit man auch mal die Gesich­ter sieht, die man sonst jeden Tag vor sich hat.

Wie sieht Dein Tag aktu­ell aus? Wie hältst Du Dich fit?

Zunächst bin ich froh, dass mei­ne Freun­din aktu­ell bei mir in Hei­den­heim ist, da sie nor­ma­ler­wei­se in Bre­men stu­diert, aber zum Glück Semes­ter­fe­ri­en waren und auch immer noch sind.  Somit bin ich nicht allei­ne. Die Tage krie­gen wir so auch wirk­lich gut rum. Zum einen haben wir unse­ren Trai­nings­plan, der auch sehr umfang­reich ist, sei es im Bereich der Kraft, aber auch der Aus­dau­er mit Läu­fen. Zum ande­ren arbei­te ich momen­tan mehr an mei­nem Fern­stu­di­um und da mei­ne Freun­din auch viel für die Uni zu tun hat ist es auch so schwie­rig Lan­ge­wei­le auf­kom­men zu las­sen. Ansons­ten spie­len wir mal Gesell­schafts­spie­le, spie­len mal an der Nin­ten­do Switch Spie­le gegen­ein­an­der, gucken Seri­en oder Fil­me. Wenn uns die Decke dann doch noch auf den Kopf fällt, dann gehen wir zu zweit eine Run­de spa­zie­ren.

Wie, in wel­cher Form und wie oft, müsst ihr Rück­mel­dung an die Athletikabteilung/Trainer geben?

Jede Trai­nings­ein­heit, die wir machen müs­sen, wird von unse­rer Puls­uhr auf­ge­zeich­net und muss sofort nach der Ein­heit syn­chro­ni­siert wer­den, damit das Trai­ner­team Zugriff dar­auf bekommt. Wenn was nicht passt oder man mal Fra­gen hat, dann wird ein­fach kurz tele­fo­niert.

Kam bei Euch das The­ma Gehalts­ver­zicht schon zur Spra­che? Wie stehst Du und die Kol­le­gen dazu?

Wir Pro­fi­spie­ler, das Trai­ner- und Funk­ti­ons­team, der FCH Vor­stand, der FCH Auf­sichts­rat sowie alle wei­te­ren FCH Füh­rungs­kräf­te ver­zich­ten im April frei­wil­lig auf Tei­le ihrer Gehäl­ter und Bezü­ge. Durch die­sen Gehalts­ver­zicht kann der FCH betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen ver­mei­den und das regu­lä­re Kurz­ar­bei­ter­geld für sei­ne Mit­ar­bei­ter auf Pro­zent anhe­ben. Mit die­ser Maß­nah­me wol­len wir unse­ren Teil im Sin­ne der Soli­da­ri­tät und Gemein­schaft in unse­rem Ver­ein bei­tra­gen.

Über­all hört und liest man ja von ver­schie­de­nen Sze­na­ri­en in Bezug auf die Wei­ter­füh­rung oder sogar das Been­den der lau­fen­den Sai­son. Was denkst Du, wie wird es wei­ter gehen? Was wür­dest Du Dir wün­schen?

Ich hof­fe ein­fach, dass die Sai­son zu Ende gespielt wer­den kann und wenn es dann eben Spie­le ohne Zuschau­er sind. So könn­te man wenigs­tens eini­ger­ma­ßen eine sport­lich fai­re Ver­gleich­bar­keit her­stel­len. Wann und wie das klap­pen soll, maße ich mir nicht an zu beur­tei­len. Alles muss vor dem Hin­ter­grund der Sicher­heit aller statt­fin­den. Und wann, wo und wie das mög­lich ist, ent­schei­den Leu­te, die viel mehr Exper­ti­se über Gesund­heits­fra­gen haben als ich. Die­sen Leu­ten soll­te man ver­trau­en und sich an das hal­ten, was sie sagen.

Wie ist Dei­ne Ein­stel­lung dazu, dass das Trai­ning ja even­tu­ell bald wie­der auf­ge­nom­men wer­den soll, bezie­hungs­wei­se von eini­gen Clubs schon wie­der auf­ge­nom­men wur­de –wenn auch in klei­nen Grup­pen?

Die Ant­wort ist ähn­lich wie die vor­he­ri­ge. Man muss und soll sich an offi­zi­el­le Vor­ga­ben zur Sicher­heit der gesam­ten Gesell­schaft hal­ten. Wenn dann gesagt wird, dass es mög­lich ist zu trai­nie­ren, dann ist es gut. Aber alles muss in Abstim­mung mit den Behör­den gesche­hen.

Was fällt Dir aktu­ell am schwers­ten, in die­ser schwie­ri­gen Zeit?

Die Kon­zen­tra­ti­on auf eine bestimm­te Sache zu len­ken fällt schwer. Es gibt so vie­le Infor­ma­tio­nen und Nach­rich­ten zu der aktu­el­len Situa­ti­on und man möch­te ja auch auf dem Lau­fen­den blei­ben. Außer­dem ist die Gesund­heit immer das wich­tigs­te und wenn die­se gefähr­det ist, sei es die eige­ne oder die ande­rer, dann ist es nicht so ein­fach dies außen vor zu las­sen und abzu­schal­ten.

Wor­auf freust Du Dich am meis­ten, wenn die Aus­gangs­sper­re vor­bei ist?

Am meis­ten auf einen Kaf­fee in einem Café, am bes­ten noch drau­ßen in der Son­ne und um mich her­um ist es laut, man hört Stim­men und es ist wie­der ein „nor­ma­le­res‘‘, wil­des Trei­ben auf den Stra­ßen.

Mit wel­cher Klei­nig­keit könn­te man Dir gera­de eine Freu­de machen?

Das hört sich banal an, aber am meis­ten wür­de ich mich freu­en, wenn wirk­lich jeder Rück­sicht auf ande­re nimmt, man sich gegen­sei­tig unter­stützt, und man sich ein­fach an die Vor­ga­ben der Behör­den hält, um die­se Zeit so gut und so schnell wie mög­lich zu über­ste­hen.

3 Din­ge die Du Spie­ler­kol­le­gen in die­ser Zeit mit auf den Weg geben möch­test…

  1. Bleibt posi­tiv
  2. Unter­stützt euch gegen­sei­tig und passt auf­ein­an­der auf!
  3. Ver­sucht euch Zie­le zu set­zen, die ihr auch jetzt in die­ser Pha­se errei­chen könnt. Das hilft unge­mein, um moti­viert zu blei­ben!

In die­sem Sin­ne packen wir das Mikro ein und ver­ab­schie­den uns vom Spiel­feld­rand: Lie­ber Patrick, bleib wei­ter­hin so posi­tiv wie Du bist. Wir sehen uns auf dem Platz!

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