Sebas­ti­an Pom­mer: Daheim­blei­ben wie die Pro­fis

Wie gehen Pro­fi­fuß­bal­ler und der Betreu­er­stab mit der momen­tan herr­schen­den Extrem­si­tua­ti­on um? Wie füh­len sie sich dabei und wie sieht ihr All­tag in der „Qua­ran­tä­ne“ aus? Die­se und noch mehr Fra­gen haben wir eini­gen unse­rer Fuß­bal­ler und Betreu­er gestellt…und Ant­wor­ten bekom­men.

Sebas­ti­an Pom­mer, Phy­sio­the­ra­peut des Pro­fi­ka­ders beim SV Darm­stadt (2. Bun­des­li­ga, der­zeit seit 10 Spie­len unge­schla­gen)

Sebas­ti­an, wie geht’s Dir in die­ser durch­aus schwie­ri­gen Zeit?

Mir geht es zum Glück sehr gut.

Wie hast Du vom „Spiel- und Trai­nings­ver­bot“ erfah­ren?

Die Situa­ti­on hat sich von Tag zu Tag ver­än­dert. Der 26. Spiel­tag gegen Karls­ru­he soll­te wie geplant statt­fin­den. Im Nor­mal­fall rei­sen wir einen Tag vor Spiel­be­ginn mit unse­rem Mann­schafts­bus an. Als sich die Situa­ti­on wei­ter zuspitz­te, war geplant direkt am Spiel­tag anzu­rei­sen. Frei­tags am 13.03.20 wur­de uns dann von unse­rem Prä­si­di­um mit­ge­teilt, dass der Spiel­tag nicht statt­fin­den wird.

Wie war Dei­ne ers­te Reak­ti­on dar­auf?

Es hat­te sich ange­deu­tet. Für mich war es die rich­ti­ge Ent­schei­dung.

Wie kann man sich Dein Leben aktu­ell vor­stel­len? Wie läuft die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Trai­ner­team und den Spie­lern?

Aktu­ell küm­me­re ich mich über­wie­gend um die Koor­di­na­ti­on unse­rer verletzten/angeschlagenen Spie­ler. Zudem ste­hen wir alle in einem sehr engen Aus­tausch. Unse­re Spie­ler wur­den vom Ver­ein mit allen Mate­ria­li­en aus­ge­stat­tet, um ihre Trai­nings­plä­ne zuhau­se aus­üben zu kön­nen. Alle Spie­ler müs­sen die indi­vi­du­el­len Trai­nings­plä­ne auf ihrer App abru­fen und dem Ath­le­tik­trai­ner im Anschluss bestä­ti­gen. So kön­nen wir die Jungs in die­ser beson­de­ren Situa­ti­on best­mög­lich ver­sor­gen.

Wie ist der Kon­takt zu ande­ren Kol­le­gen aus der Bra­che?

Es gibt eini­ge Kol­le­gen, mit denen man sich ger­ne aus­tauscht. In die­ser Situa­ti­on unter­stützt man sich auch gegen­sei­tig.

Du wirst ja nicht den gan­zen Tag mit Dei­ner Fami­lie ver­brin­gen, wie sieht Dein Tag aktu­ell aus?

Durch die Aus­gangsper­re bin ich über­wie­gend zuhau­se. Am Mor­gen begin­ne ich mit mei­nem E‑Mail- Post­fach. Im Anschluss füh­re ich meist eini­ge Tele­fo­na­te mit unse­ren Spie­lern oder Funk­tio­nä­ren aus dem Ver­ein. Zum Glück kann man in der heu­ti­gen Zeit vie­les über Video-Kon­fe­ren­zen bespre­chen und pla­nen. In mei­ner klei­nen Pri­vat­pra­xis ist es aktu­ell lei­der eben­falls ziem­lich ruhig gewor­den. Auch uns hat die Kri­se sehr hef­tig getrof­fen. Vie­le der Pati­en­ten sagen Ihre Ter­mi­ne auf­grund der Coro­na-Kri­se ab. Somit bleibt mir etwas Zeit für das ein oder ande­re Buch oder Online-Webi­nar.

Wie, in wel­cher Form und wie oft, müs­sen die Spie­ler Rück­mel­dung über Ihre Fit­ness bzw. ihr Pro­gramm geben?

Nach jeder Ein­heit bekommt unser Ath­le­tik­trai­ner eine Benach­rich­ti­gung über unse­re App. Zusätz­lich sind alle Spie­ler mit einer Puls­uhr aus­ge­stat­tet. Somit fin­det ein täg­li­cher und sehr enger Aus­tausch statt.

Kam bei Euch das The­ma Gehalts­ver­zicht schon zur Spra­che? Wie stehst Du und die Kol­le­gen dazu?

Wir im Ver­ein ver­zich­ten alle auf einen Teil unse­res Gehal­tes. Ich den­ke in solch einer schwie­ri­gen Situa­ti­on soll­te man zusam­men­hal­ten, um den Ver­ein am Leben zu hal­ten.

Über­all hört und liest man ja von ver­schie­de­nen Sze­na­ri­en in Bezug auf die Wei­ter­füh­rung oder sogar das Been­den der lau­fen­den Sai­son. Was denkst Du, wie wird es wei­ter gehen? Was wür­dest Du Dir wün­schen?

Ich mache mei­nen Job mit Herz­blut. Aktu­ell steht der Fuß­ball für mich aller­dings nicht an ers­ter Stel­le. Wenn wir als Land die Kri­se gemeis­tert haben, hof­fe ich, dass wir dem­nächst alle wie­der zum nor­ma­len All­tag über­ge­hen kön­nen. Dazu gehört für mich auch der Fuß­ball.

Wie ist Dei­ne Ein­stel­lung dazu, dass das Trai­ning ja even­tu­ell bald wie­der auf­ge­nom­men wer­den soll, bezie­hungs­wei­se von eini­gen Clubs schon wie­der auf­ge­nom­men wur­de – wenn auch in klei­nen Grup­pen?

Ande­re Fir­men arbei­ten eben­falls in klei­nen Grup­pen. Somit hof­fe ich, dass auch bei uns der Ball dem­nächst wie­der in klei­nen Grup­pen rol­len darf. Natür­lich muss dies unter ganz kla­ren und stren­gen Regeln erfol­gen. Wir wer­den alles dar­an­set­zen.

Was fällt Dir aktu­ell am schwers­ten, in die­ser schwie­ri­gen Zeit?

Zuhau­se zu sit­zen. Ich bin sonst den gan­zen Tag in Bewe­gung oder am Sport trei­ben.

Wor­auf freust Du Dich am meis­ten, wenn die Aus­gangs­sper­re vor­bei ist?

Auf einen Grill­abend mit all mei­nen Freun­den.

Mit wel­cher Klei­nig­keit könn­te man Dir gera­de eine Freu­de machen?

Auf­grund des schö­nen Wet­ters, mit einem schö­nen kal­ten Getränk.

3 Din­ge die Du Phy­sio­kol­le­gen in die­ser Zeit mit auf den Weg geben möch­test…

  1. Durch­hal­te­ver­mö­gen
  2. Ganz viel Kraft
  3. Und Gesund­heit

In die­sem Sin­ne packen wir das Mikro ein und ver­ab­schie­den uns vom Spiel­feld­rand: Lie­ber Sebas­ti­an, wir wün­schen Dir wei­ter­hin viel Durch­hal­te­ver­mö­gen und Kraft. Wir sehen uns auf dem Platz! Gönn dir bis dahin ein paar kal­te Geträn­ke!

 

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